Wir sind die Quote
von Peter Bäßler aus der Kategorie Gesellschaftskritisches
und wurde am 27.02.2011 um 09:40:00 eingetragen.
Wir sind die Quote
Der Mensch von Neugier hält sehr viel
möglichst mit schaurigem Gefühl.
Wenn etwas irgendwo passiert -
ein wenig Angst in ihm grassiert.
Mord und Totschlag - ganz egal!
Eines wird doch schnell zur Qual:
Es darf nicht in seinem Umfeld sein -
sonst wird die Angst für Ihn zur Pein.
Ein UFO landet irgendwo!
Zum Klacks wird die Reality-Show.
Hauptsache ist...nicht ganz so nah.
Am liebsten währ’ ihm Kanada.
Nervenkitzel soll schon sein -
Aber bitte nur im Bildschirmschein.
Vierzehn Uhr – Show Eins ist dran:
Mit entfrauter Frau und entmanntem Mann!
Abends nach sieben ‚Explosiv’ -
das schaut er täglich an:
Scheintote, Krüppel – exzessiv...
geschildert von Frau Eligmann.
Deformationen von der Stange,
von jedem x-beliebgen Ort.
Manchmal wird ihm Angst und Bange
Doch tröstet Ihn: Es ist weit fort.
Eine Show jagt jetzt die andere -
neue meist – auch bekanntere:
Retter, Notruf - Selbstmord mit Seil!
Die Auswahl ist schon affengeil.
Er ist jetzt Teil der Tagesquote -
Einschalter zählen ist in Mode.
Als Publikum wird er verwaltet,
egal ob weg, ob abgeschaltet.
Die Zahlen jedoch sehr wichtig sind -
der Werber singt den Text geschwind:
'Dein Hemd ist zwar weiß und doch nicht rein!
Das soll dir bald ersparet sein.
Du nimmst sofort nur unser Mittel:
Vom andren wird dein Hemd zum Kittel!'
Eine schöne Frau lobt ihre Binde,
'ne andre pampert lieb ihr Kinde.
Damit die Kacheln propper bleiben -
generell mit General einreiben.
Am Ende fragt Frau Michel sich:
'Für wie blöd hält man mich eigentlich?'
Der Zuständige für Frauenfragen
müsste die ganze Zunft verklagen!
Doch weiter jetzt im Showbericht:
Eine Schönheit mit gespielter Kälte spricht:
'Nicht weit von hier ein Blutbad war!'
Ihm stehen jetzt glatt die Nackenhaar.
Er überlebt die Sendung nur mit Grauen.
Um Streßhormone abzubauen
sieht er noch liebe Sünde an...
und lernt, wie man sich lieben kann.
Der Moderator schaut ganz warm -
erzählt von einer Liebesfarm.
Gezeigt wird leicht verdeckt ein Koitus -
für den Geplagten ein Genuß.
Doch kalt läuft über’n Rücken dann
noch mal hinab der ganze Wahn.
Nur kurz! Darauf stört ihn nicht,
warum wer wen wo und wie ersticht.
Zum Zeitungsstand am nächste Morgen,
das aktuellste Blatt besorgen.
Sind Horrormeldungen beschrieben,
dann wartet er nicht mehr bis Sieben:
Schaltet ‚Punkt zwölf’ ganz pünktlich an,
damit ihm nichts entgehen kann.
Doch Vorsicht und keinesfalls erschrecken,
sonst bleibt der ‚KLOSE’ schnell im Halse stecken!
Das Monster macht in aller Ruh’
provessionell das erste Interview.
Der Schnelle nutzt die Gunst der Stunde,
krallt die Finger in die Wunde:
Wie war das nach dem Kindermorde?
Da fehlen selbst Michel alle Worte!
Ein Mörder säuselt leicht vom Tote.
Für uns doch nur -
wir sind die Quote...