Willibald der Bienerich
von lyrica aus der Kategorie Lustige Gedichte
und wurde am 1 February 2008 um 09:17:31 eingetragen.
Es schwirrte und verirrte sich,
der Willibald - ein Bienerich,
erst unlängst in ein Krüglein Bier
und konnte nicht mal was dafür.
Dem Willibald war’s nämlich heiß
und von den Fühlern tropfte Schweiß,
als plötzlich er ’nen Bierkrug fand.
Da hockte er sich an den Rand.
Der Rand jedoch war ziemlich glatt,
womit er nicht gerechnet hatt’,
sein Rüssel war nicht lang genug
und reichte nicht bis in den Krug.
Er beugte weit sich bis zum Schaum,
da schlug er einen Purzelbaum,
die Beine sind ihm weggeflutscht,
er ist dann in den Krug gerutscht.
Auch an der Wand fand Willibald,
so ziemlich nirgends einen Halt,
drum paddelte er mit Gebrumm,
voll eingeschäumt im Bier herum.
Doch wie er so nach oben sah,
da wähnte er die Rettung nah,
weil es dort eine Spinne gab,
die seilte sich gerade ab.
Der dürstete es auch gar viel
und glaubte sich bereits am Ziel,
als eine Stimme sinngemäß,
ertönte aus dem Trinkgefäß:
„Das Zeug bekommt dir sicher nicht,
da kriegst du Blasen im Gesicht.
Hol mich hier raus, ich bitte dich!“,
so gurgelte der Bienerich.
Die Spinne, die sehr eitel war,
sah ihren Teint gleich in Gefahr
und warf dem Willibald im Nu,
den stärksten ihrer Fäden zu.
Der Willi lallte, und er schrie,
nun im Sekundentakt:“ ... und zieh!“
und irgendwie, mit letzter Kraft,
da hatte er’s dann rauf geschafft.
Die Spinne wollte jedoch nicht,
vom diesem bierdurchweichten Wicht,
ein Küsschen dann als Dankeschön,
das kann man schließlich auch versteh’n.
Gemeinsam zogen sie dann los,
das heißt, am Seil zog „Eine“ bloß,
den Willi hinten nach, na klar,
weil dieser sturzbetrunken war.
Sie suchten ohne Unterlass
und fanden was! ... Ein Tintenfass!
An dessen Rand sich jeder hing
und schlürfte, bis es nicht mehr ging.
Doch das war nicht gerade schlau,
letztendlich waren beide „blau“.
Die Suche zieht sich hin bis heut’,
drum lasst Euch sagen, liebe Leut´:
Schaut erst in Krug und Glas hinein,
denn schließlich könnte es mal sein,
dass in dem Maul voll, das man nimmt,
der Willi und die Spinne schwimmt.
© Sonja Bartl