Weihnachten of Sächsisch!
von Falke aus der Kategorie Lustige Gedichte
und wurde am 21.12.2008 um 18:28:00 eingetragen.
Das Weihnachtsfest naht mit großen Schritten,
ich hab weder Boom noch Schlitten,
um den Boom aus´m Wald zu holen,
jeht ja och nich, wär wohl jestohlen.
Doch wenn mer´s jetz ma recht bedenken,
wohin mit all den vielen Jeschenken,
wenn mer se unters grüne Ding nich legen kann,
hält de Weihnachtsfreude wohl nich lang an.
Drum mach ich mich am 23. kurz vor zehne,
mit Säge bewaffnet of de Beene,
hin zur Waldes dunkler Mitte,
wo steht der Boom den hier nu bitte.
Der Fuchs, der sieht mich böse an,
als ob der mich nich leiden kann,
da seh ich ihn, vier Meter hoch,
der Boom is schön, den nehm ich och.
Ritsche, ratsche der Säge Zähne,
fressen in des Boones Beene,
knarksend, krachend wie von Sinn,
fällt der Boom zum Auto hin.
De Spitze liecht im Kofferroom,
draußen noch der Rest vom Boom,
zu de Klappe un noch zwee Stricke,
bis Heeme hält das dicke.
Der Motor heult,
doch keen Rad sich dreht,
da kommt der Förster,
nu ises zu spät.
Der hebt noch drohend seinen Finger,
da drehn se durch de runden Dinger,
das Auto macht nen Satz nach vorn,
was solls, der würd schon neu jeboren.
Mit hundert sachen durch de Mitte,
ich denk noch hofentlich halten de Stricke,
da biste Heeme anjekommen,
da is nich mehr viel da vom Boom.
Vier Meter war er einmal hoch,
a halben Meter hat er noch,
nu da stelln mer eben of en Tisch
sonst würd das nüscht.
Zur Frau Jemahlin loof ich hin,
schau dir an das Wunderding,
die schlächt de Hände vors Jesicht,
ich gloob der Boom jefällt ihr nich.
Was solls ich trink ne Pulle Bier,
den Rest, den überlass ich ihr,
mit Kugeln, Lametta, Kerzen fein
würds schon en schönes Weihnachten sein.
Am 24. lieb un fein,
sitzen unsere Kinderlein,
alle um den Boom herum,
ich gloob die finden den ziehmlich dumm.
De Mutter zündet de Kerzen an,
de Kinder freuen sich kurz dran,
dann fang se plötzlich an zu schrein,
ich denk, das kann doch jetz nich sein.
Das Feuer von de Kerz,
un das is jetz keen Scherz,
greeft über of den Weihnachtsboom,
nu iser wech, ich gloob das koom.
De janze Bude stinkt nach Rooch,
verbrannt sin de Jeschenke och,
ich loof schnell in Friedas Kneipe,
wo ich den Rest von Weihnachten och bleibe.
Gez.: R.R.