Neue Reime für Kinder und Erwachsene
von Roman Herberth aus der Kategorie Lustige Gedichte
und wurde am 16.04.2009 um 11:30:00 eingetragen.
Das Dampfroß wird zu Schrott
und nirgendwo gebraucht.
Der Grund für den Boykott:
Es hat zu viel geraucht.
Im "Gänse"-marsch
Die Ente quakt und geht auf Tour.
Und hinter ihrem Rücken,
da watscheln wie an einer Schnur
im Gänsemarsch die Küken.
Fast jedes hat sich eingereiht
und hebt die kleinen Flossen.
Jedoch ein weiches Federkleid
war etwas unentschlossen.
Es ruft vom steilen Böschungsrand,
denn dort war es gesessen:
"Ihr seid auf einmal durchgebrannt!
Ihr dürft mich nicht vergessen."
Die Entenmutter hört ihr Kind,
und schnabelt aus der Ferne:
"Jetzt aber los, und mach geschwind!
Du trägst die Schlußlaterne."
Für den Fortschritt
Ein Rehbock lümmelt, wie ich sehe,
auf einem hohen Jägersitz.
Und unten tummeln sich die Rehe,
darunter eine Handvoll "Kids".
Er ist der Chef der scheuen Herde.
Das respektieren alt und jung.
Er ist teils Wächter, teils Gefährte,
und trägt voll die Verantwortung.
Der Rehbock haßt des Försters Büchse,
und einen Querkopf, wenn er zankt.
Die zarten "Kids" bedrohen Füchse,
was manchmal sein Geweih verlangt.
Für alles ist er aufgeschlossen,
das seinen Rehen Fortschritt bringt.
Dabei wird auch ein Bock geschossen,
weil Kniffliges ganz leicht mißlingt.
Der Rehbock lümmelt, ich verstehe,
vier Meter hoch, dort sieht er weit.
Und gibt den "Kids" in seiner Nähe
bei einem Lauschangriff Bescheid.
Ein Karpfen rudert durch den Teich
und schnappt nach grünen Bissen.
Und dampfert in den Schilfbereich.
Vom Hecht will er nichts wissen.
Dann schwimmt er "tief" und läuft auf Grund.
Und Schlamm reizt in den Kiemen.
Er hustet blubbernd mit dem Mund,
dann reißt er sich am Riemen.
Als dickes Unterseeboot taucht
er auf zur Oberfläche.
Die Rundfahrt hat ihn echt geschlaucht.
Er zittert leicht vor Schwäche.
Den Karpfen angelt sich ein Hecht,
(das mutmaßt der Verfasser).
Noch fühlt der Karpfen sich nicht schlecht
und wie "ein Fisch im Wasser".
Schäfchen-Wolken
Im Westen ziehen kleine Schafe
auf breiter Front ins Himmelblau.
Das führt zu keiner Ordnungsstrafe.
Der Sonne stiehlt man nicht die Schau.
Ein leichter Wind zerzaust die Wolle
und treibt die Schäfchen vor sich her.
Die Sonne kündigt ihre Rolle,
ein Licht- und Durchblick fällt ihr schwer.
Die Schäfchen wuseln, purzeln, springen,
und bauen ein Piratenschiff,
mit dem sie nah und weit bezwingen.
Den Himmel haben sie im Griff.
Die dunkelschwarzen Hammel folgen,
gepeitscht vom Sturm, im schnellen Lauf.
Da reg(n)en sich Gewitterwolken
mit Donnerblitz darüber auf.
Der Wasserhahn in meiner Küche,
ein Haustier, das auch Nerven sägt.
Zwar klopft er keine flotten Sprüche,
doch manchmal tropft er unentwegt.
Im Haushalt ist er unentbehrlich.
Er schwemmt den Sand vom Feldsalat.
Sein Rauschen: völlig ungefährlich.
Er ist verchromt und stets auf Draht.
Mit Hochdruck spritzt er in die Ecken.
Schon oft hat er auf mich gezielt.
Sein liebster Freund: das Abwaschbecken,
mit dem er stundenweise spült.
Wenn mir in der Etagenwohnung
das Wasser bis zum Halse steht,
dann wird -da gibt es keine Schonung-
dem Hahn der Kragen rumgedreht.
Liebe - aber nur auf den ersten Blick
Herr Dackel schnuppert durch den Park,
und trifft auf eine Pudeldame.
Er findet sie so affenstark.
Und süßt sie an: "Wie heißt Dein Name?"
Die Pudeldame schaut geziert,
und schnippisch äugt sie auf ihn runter.
Da fühlt der Dackel sich blamiert.
Es stößt ihm auf, sein Zorn wird munter.
Und was er von der Dame hält,
und von so hochgenästen Gören,
das hat er ihr ins Ohr gebellt.
Doch allseits war es laut zu hören.
Am Ende hat er noch geknurrt:
"Verschwinde jetzt, zieh endlich Leine!
Sonst reißt bei mir der Anstandsgurt.
Und mein Gebiß macht Dir noch Beine."
Die Pudeldame bellt verstört.
Ihr Selbstvertrauen ist verwackelt.
Doch schließlich ist sie hochempört
und tief gekränkt davongedackelt.
Per Telefax
Im Wirtshaus grölt ein Strammer Max
bei einem Abendessen:
"Ich halte nichts von TELEFAX
und seinen Raffinessen!"
Da dottert weich das Spiegelei:
"Ich teile deine Meinung.
Und 'Faxen' sind mir einerlei
in jeglicher Erscheinung."
Ins gleiche Horn bläst rosig dick
der zarte Vorderschinken.
Und dann beginnt sein fettes Stück,
verächtlich abzuwinken.
"Nun laßt die Butter auf dem Brot!"
Erwidert scharf das Messer.
"Ein Telefax tut's in der Not,
ein Brief wirkt aber besser."
Im Gebirge
Es klettern auf den Felsvorsprung
die schwindelfreien Gemsen.
Sie können selbst im Abwärtsschwung
bei Schnee und Glatteis bremsen.
Sie nutzen kein Blockiersystem
vom Rechner ferngesteuert.
Und lösen auch nicht das Problem
mit Hufen runderneuert.
Kein Abhang ist für sie zu steil.
Und kein Geröll zu steinig.
Nicht nötig ist ein Abschleppseil.
Da sind sich alle einig.
"Es dürfte kein Geheimnis sein,"
beteuert eine Gemse,
"wir stehen stets mit einem Bein
bei Talfahrt auf der Bremse."
Fast ein Rendezvous
Ein Kater streunt bei Nacht spazieren.
Und maunzt, wo die Geliebte wohnt.
Und hofft, sie wird ihr Herz verlieren.
Er wäre dadurch reich belohnt.
Er schmettert schon zum zweiten Male
im Hinterhof sein Liebeslied.
Doch plötzlich winselt ein Rivale,
was schwere Folgen nach sich zieht.
Der starke Kater krallt den schwachen
und faucht ihn furchterregend an.
Der kleine hat jetzt nichts zu lachen.
Er buckelt und spielt toter Mann.
Die Keilerei, das wüste Treiben
kommt den Bewohnern auch zu Ohr.
Sie schließen fest die Fensterscheiben.
Gemeinsam maunzt der Kater-Chor.
"Du hast mir meine Tour vermasselt.
Und dadurch platzt mein Rendez-vous.
Rolläden sind herabgeprasselt.
Die ganze Schuld daran trägst du."
Die Amsel im Schnee
Die Amsel kann im hohen Schnee
die Regenwürmer nicht mehr finden.
Und krampfhaft sucht sie die Idee,
die weiße Pracht zu unterbinden.
Nun schüttelt sie ihr Federkleid,
um "cooler" das Problem zu wälzen.
Schon kurz darauf weiß sie Bescheid,
sie will das Schneegebirge schmelzen.
Vom ersten besten - einem Mann -
erbittet sie ganz höflich Feuer.
Der schaut sie nur entgeistert an,
die Sache ist ihm nicht geheuer.
Und auch ihr zweiter Vogelspruch
an einen eiligen Passanten
entpuppte sich als Fehlversuch.
Sie konnte mit dem Wunsch nicht landen.
Die Amsel reibt sich ihren Bauch
und zetert: "Schluß mit der Geschichte!
Dort hängt noch Beerenrot am Strauch.
Ich stelle um auf Trockenfrüchte."
Die Spitzmaus
Bei Feiertags- und Sonntagswetter
marschiert die Spitzmaus kühn und stolz
auf einem Teppich welker Blätter
durchs Dickicht und durchs Unterholz.
Im Rucksack steckt die Wasserflasche,
und für die Brotzeit Proviant.
Den Kompaß in der Seitentasche
hat sie im Notfall schnell zur Hand.
Die Spitzmaus quert die jungen Tannen.
Ein Baum-an-Baum, ein finst'rer Block.
Um ihre Ängste zu entspannen,
ergreift sie einen Wanderstock.
Bald schöpft sie Mut auf einer Lichtung.
"Jedoch mein Pfad zurück nach Haus
verläuft in einer andren Richtung.
Mir macht ein Umweg gar nichts aus."
Der Storch baut mit der Schnabelspitze
in einem Wagenrad sein Nest.
Er bindet Stroh in jede Ritze.
So wird es wind- und wetterfest.
Die Wohnung kratzt fast an die Wolken.
Als Basis dient ein Aussichtsturm.
Der Storch bedachte alle Folgen
und fürchtet nicht den stärksten Sturm.
Die Störchin klappert mit dem Schnabel:
"Was ich dir eingestehen muß,
dein neues Bauwerk ist passabel.
Und dafür kriegst du einen Kuß."
Und dieser Kuß war echt gelungen.
Denn so entstand ein Storchenei.
...
Und später schlüpften dann die Jungen.
Und mittlerweile sind es drei.
Osterputz
Der Tiger jagt beim Osterputz
nach jedem Staubpartikel.
Sein Schrupper nimmt den gröbsten Schmutz
aufs Korn und dann am Wickel.
Es fegt und best ein Wirbelwind
vom Boden bis zur Decke.
Da kauert sich das Tigerkind
verstört in eine Ecke.
Und weil es nicht die Flucht ergreift
ins rettungsvolle Freie,
wird es vom Vater eingeseift.
Es nutzen keine Schreie.
Nach Wasserschlacht und Besenspiel
erklärt der müde Tiger:
"Die Putzwut fand ein Angriffsziel.
Ich bin der Tagessieger."
Der Igel schlendert durch den Garten.
Er sucht nach süßem Apfelbrei.
Doch der Erfolg läßt auf sich warten.
Noch herrscht der Wonnemonat Mai.
Ein Käfer sechsbeint seiner Wege,
und dabei lächelt er verschmitzt.
Dicht neben ihm kriecht ein Kollege,
noch 'nagelneu' und ungespritzt.
Der Igel hat die zwei gesichtet.
Schon meldet sich sein Appetit.
Das Krabbelzeug hat er vernichtet
durch Querfeldein und Seitenschritt.
"Statt Äpfel reifen die Insekten??!"
Bestätigt hat sich sein Verdacht.
Der Igel nascht vom Eingeschneckten.
Denn Obst gibt's höchstens eingemacht.
On the road
Die durchtrainierte Wanderratte
ist ausgerüstet mit System.
Im Kleiderschrank hängt die Krawatte -
zwar modisch, aber unbequem.
Zum Ausflug durch die Ufersteine
wählt sie die Tauchergarnitur
und die gezwirnte Halteleine.
Von purem Leichtsinn - keine Spur.
Sie wohnt am Berg auf halber Höhe,
und serpentint bepackt zu Tal.
Bald hört sie ein paar Wasserflöhe,
die husten nämlich im Kanal.
Am Ufer wachsen Trauerweiden.
Die Wanderratte aber meint:
"Im Grunde sind die zu beneiden,
besonders wenn die Sonne scheint."
Dann wird marschiert, im Gras gerastet.
Durch Schilf geraschelt und getaucht.
Am Kieselstein entlang getastet,
weil das die Wanderratte braucht.
Ein Känguruh hüpft meilenweit.
Daran wird nicht gedeutelt.
Mir tut jedoch der Nachwuchs leid,
denn er wird stark gebeutelt.
Ein Knirps wiegt sich im süßen Traum.
Schon wird er durchgeschüttelt.
Sein Känguruh durchquert den Raum.
Und er wird wachgerüttelt.
Das Auf und Ab, der Wellengang
stoppt höchstens für Sekunden.
Es wird der Fortbewegungsdrang
nur selten unterbunden.
Ein Neuling hatte sich beschwert
und rügte das Getue.
Und lautstark hat er noch begehrt:
ein wenig Kängu-Ruhe.
Beim Dämmerschoppen
Im Hochwald grunzen Stachelschweine
beim Dämmerschoppen meist alleine.
Ein Schweinchen Dick wird angepiekt,
worauf es hohe Töne quiekt.
Das Rudel reibt sich an den Stämmen,
um sich die Borsten durchzukämmen.
Dann suhlen sie im größten Schmutz,
dem Lieblingsplatz von jeder Wutz.
Nur im Morast läßt sich vergessen,
(ein Laie kann das nicht ermessen),
was auf den Schweinehaxen brennt.
Es kühlt das feuchte Element.
Der Dämmerschoppen - leergetrunken.
Die Nacht ist weich herabgesunken.
Für heute ist die Schweinerei
nun wegen Dunkelheit vorbei.
Die dicke Hummel
Im Stadtpark brummt die dicke Hummel
durch Rasengrün, Zinnoberrot.
Sie macht dort einen Blütenbummel
und schlürft dabei ihr täglich' Brot.
In ihrer Nase kitzeln Pollen.
Sie niest am nächsten Stehimbiß.
So kommt vielleicht "ein Stein" ins Rollen.
Doch was geschieht, bleibt ungewiß.
Sie läßt sich von den Farben locken.
Und findet Gelb besonders nett.
Jedoch ihr Herz beginnt zu stocken
beim zarten Veilchenviolett.
Schließt abends der Getränkehandel,
dann braust sie schnurstracks in ihr Haus.
Und schläft -so ist ihr Lebenswandel-
sich in der Hängematte aus.
Im Watt
Die Krabbe kreuzt mit den Gezeiten
und fürchtet weder Schlick noch Schlamm.
Ein Krabberich darf sie begleiten,
der wird einmal ihr Bräutigam.
Im Sturm und Drang, bei Gischt und Wogen,
bei Niedrigwasser, Ebbe, Flut,
fühlt sie sich zu ihm hingezogen.
Er ist trotz rauher Schale gut.
Selbst wenn die Artgenossen tuscheln,
sie strömen vorwärts Haupt an Haupt,
sie herzen sich, oder sie kuscheln,
falls es der Seegang nur erlaubt.
Bedrohlich sind die Fischerkutter,
das Schleppnetz auf dem Meeresgrund.
Noch schmoren sie nicht in der Butter.
Und beide "krabbeln" - kerngesund.
Ein magerer Lohn
Im Alpenvorland auf der Weide
grast eine braungescheckte Kuh.
Sie zeigt sich von der besten Seite.
Es sieht ihr aber kein Mensch zu.
Die Gräser rupft sie mit der Zunge,
und schluckt die Ladung, kaum gekaut,
und muht auch mal aus voller Lunge,
sie hebt dabei den Kopf und schaut.
Jetzt fährt sie auf dem falschen Dampfer.
Die Speiseröhre würgt und zuckt.
Der Happen war voll Sauerampfer.
Der grüne Kloß wird ausgespuckt.
Dann lümmelt sie sich auf ihr Futter.
Und fertigt -das ist einfach stark-
das Vorprodukt der Markenbutter.
Ihr Lohn ist nicht mal Magerquark.
Wohnungsnot
Ein Igel soll sein Schlupfloch räumen.
Er eilt zum Mieterschutzverein,
um sich dagegen aufzubäumen,
und fragt genervt: Darf sowas sein?
Nun tönen endlos Kommentare.
Es rauscht die Paragraphenflut.
Dem Igel steh'n die Stachelhaare
zu Berg, und ihn verläßt der Mut.
Jedoch es steht in den Gesetzen,
zum einen klipp, zum andern klar:
Sein Wohnrecht darf kein Mensch verletzen,
sofern es nicht gekündigt war.
Das hat den Igel aufgewiegelt.
Er hat sich in sein Heim getrollt.
Er hat sich darin eingeigelt
und denkt:
Ich bin im Recht, macht was ihr wollt.
Nicht gerade vorbildlich
Man hat auf einen Kälteschock
am Frühlingsanfang keinen Bock.
Der fromme Wunsch wird tiefgefroren.
Ein Nordwind pfeift um beide Ohren.
Da streikt sogar die Schneckenpost,
an jedem Grashalm reift der Frost.
Und unwegsam ist das Gelände
für Käfer und für Kriechverbände.
Die Biene spart ihr Flugbenzin,
denn Blüten bleiben ohnehin
in ihren Schlafanzug verkrochen,
wenn Flieger an der Haustür pochen.
Ein Satz mit x. Es war wohl 'nix'
mit staunenswerten Zaubertricks.
Der Anfang ist total mist-raten.
Man ärgert sich nach Strich und Faden.
Das Besäufnis
Die weit-gesteppte Antilope
betritt sehr durstig ein Lokal.
Und nur noch an der Garderobe -
der letzte freie Tisch im Saal.
Sie zwängt sich durch die schmalen Gänge,
durch Rede-schwaden - bierumhaucht.
Ihr Vormarsch zieht sich in die Länge,
weil einer seinen Mantel braucht.
Das Hindernis ist ausgestanden.
Vier Hufe setzen sich in Trab,
um glücklich auf dem Stuhl zu landen,
zum einen froh, zum andern schlapp.
Nun kommt die Kellnerin gelaufen,
und sie notiert auf ihrem Block:
'Ein Eimer Wasser zum Besaufen,
und hinterher ein Doppelbock.'
Ein Steckenpferd hockt am Klavier
und klimpert auf den Tasten.
Man merkt sogleich, das arme Tier,
hat nicht viel auf dem Kasten.
Es stolpert, wenn es scharf galoppt
im ebenen Gelände.
Der Klangfluß streikt, ein Finger stoppt.
So geht das Lied zu Ende.
Doch keiner hat sich groß beschwert.
Das Stück ging in die Hose.
Es wird aus diesem Steckenpferd
bestimmt kein Virtuose.
Der Brummbär
Ein Brummbär trollt sich durch die Blumen
und macht sich auf die Honigjagd.
Er furcht sich durch die Ackerkrumen.
Sein Magen knurrt. Sein Hunger nagt.
Und findet er die Bienenwabe
mit süßem Honig vollgestopft.
Dann labt er sich an dieser Gabe,
die gelb auf seine Tatzen tropft.
Auch heute hat er einen Riecher,
wo es sich kreißelt, wo es summt.
Zwar stechen ein paar freche Viecher.
Er hat ein dickes Fell und brummt.
Die Sonne hält, was sie verspricht.
Und zieht am Himmel ihre Bahn.
Und rötet leicht das Bleichgesicht.
Und pinselt gelb den Löwenzahn.
Es hummelt dicht an mir vorbei.
Der dicke Brummer kennt sein Ziel.
Der Alltag nimmt sich heute frei,
statt Arbeit gibt es Sport und Spiel.
Aus Wiesen grüßt es satt und grün.
Und Enten paaren sich am See.
Die Tulpen und Kastanien blüh'n.
Und raschelnd pappelt die Allee.
Im Meer
Ein Fisch begegnet heißen Flossen,
und denkt: 'Ein Wahnsinn, diese Frau!'
Er hat sich glatt in sie verschossen,
denn sie ist wirklich eine Schau.
Dann blubbert er: "Du Zuckersüße,
Du hast mich völlig in der Hand.
Mein Herz funkt an Dich Liebesgrüße.
Du bringst mich noch um den Verstand.
Ich will mit Dir durch die Gezeiten,
durch Ebben und durch Fluten zieh'n.
Und durch Korallen Dich begleiten.
Und auch zu fernen Inseln flieh'n.
Dort laß uns leben, lieben, laichen.
Woran mir früher einmal lag,
will ich aus dem Gedächtnis streichen,
denn Du bist alles, was ich mag.
Was kümmern mich die Modepuppen?
Doch eines muß ich Dir gesteh'n.
Ich leide unter starken Schuppen.
Willst Du mich dennoch wiederseh'n?"
Beide arbeiten ganztags
Ein Stammgast hat sich eingenistet.
Sein Weibchen folgt ihm in das Nest.
Ihr Aufenthalt ist nur befristet.
Im Herbst gibt es ein Abschiedsfest.
Er ist gelernter Kammersänger,
doch Beifall kriegt er nie genug.
Er arbeitet als Fliegenfänger.
Die Beute schnappt er sich im Flug.
Der Vogel flattert durch die Gegend.
Und tiriliert sein Lieblingsstück.
Und läßt das Weibchen eierlegend
im grasbelegten Nest zurück.
Nach Wochen als die Jungen schlüpfen,
herrscht reges Treiben hoch im Baum,
weil sie oft umeinanderhüpfen.
Statt Federn lassen sie nur Flaum.
Die Hungermäuler sind zu stopfen.
Das ginge über seine Kraft,
wenn nicht -nach morgens Nestausklopfen-
das Weibchen ganztags mit ihm schafft.
Fuchs, du hast die Gans gestohlen
Ein Gänschen an der alten Mühle
war vorlaut, keck und neunmalklug.
Und pflegte nur die Ich-Gefühle.
Und Mitleid nannte sie Betrug.
Es wußte alles gründlich besser.
Und fand auch stets das letzte Wort.
Ihr Ton klang schärfer als ein Messer.
Der Widerspruch - ihr Lieblingssport.
Die Mutter Gans war für Erziehung.
(und war zum Schein autoritär!)
Doch ganz umsonst war die Bemühung.
Es stellte alle Federn quer.
Das Gänschen hat der Fuchs gestohlen.
Er gab es ungerupft zurück.
Dann mußte er sich lang erholen
von diesem ausgefuchsten Stück.
Die Maus im "Super"-Markt
Die Maus betritt den Vorratskeller.
Ein Pfötchen greift zum Schinkenspeck,
'der kommt als Nachtisch auf den Teller.'
Sie steckt in ohne Zögern weg
in ihre Umwelteinkaufstasche.
Ein Baumwollsäckchen bunt kariert.
Denn das ist eine neue Masche.
Und die Idee ist patentiert.
Dann wählt sie an der Käsetheke
den jungen Gouda, zart und mild.
Durch Gläser führen ihre Wege
an jedem pappt ein kleines Schild.
Die Maus liest: "Erdbeermarmelade"
und "Apfelmus" und "Zwetschgenbrei".
Doch jedes Glas ist zu. "Wie schade!"
Sie trippelt brummig dran vorbei.
Auf einmal spuckt sie Gift und Galle.
Und ist von Kopf bis Fuß erschreckt,
als sie aus Draht die Mausefalle
zwei Handbreit neben sich entdeckt.
"Mir so die Einkaufslust zu nehmen.
Das ist doch schändlich, unerhört!
Der Fallensteller soll sich schämen.
Ich bin bedient und hoch empört."
Ein Sandsturm
Unter einer Dattelpalme
grast im Schatten ein Kamel.
Und es zupft die grünen Halme.
Und es fühlt sich quietschfidel.
Plötzlich staubt durch die Oase,
unerwünscht der Wüstenwind.
Dem Kamel juckt schon die Nase,
und der Sandsturm macht es blind.
Auch sein Herr, der Beduine,
flüchtet in sein Backsteinhaus,
schließt die Läden aus Routine,
kocht Kaffee und ruht sich aus.
Lange hat der Spuk gedauert,
denn der feine Wüstensand
hat sich völlig ausgepowert.
Nun scheint die Gefahr gebannt.
Das Kamel fehlt auf der Bühne.
Höck'rig läuft gespenstergleich
eine hohe Wanderdüne
hin zum kühlen Wasserreich.
Ein Scherzkeks kaspert in der Clique.
Oft tragen seine Witze Bart.
Nach oben drehen sich die Blicke.
Der Kommentar wird aufgespart.
Er treibt die allerdümmsten Späße,
worüber er nur selber lacht.
Die andern spötteln: "Alles Käse!"
"Unglaublich, was der Hans-Dampf macht!"
Der Scherzkeks fühlt sich ausersehen,
für Unfug und für Schabernack,
und g'rade Dinge krumm zu drehen.
Im Grunde ist er schwer auf Zack.
Und fehlt er einmal in der Runde,
dann gähnt die Langeweile groß.
Er wird vermißt in jeder Stunde,
denn ohne Scherzkeks - ist nichts los.
Die Dschungel-Illustrierte
Ein Affe schmökert mit Begierden
in einer Dschungel-Illustrierten.
Er wähnt sich gründlich informiert,
und weiß, was in der Welt passiert.
Er fiebert mit bei Mordgeschichten,
und freut sich an den Bildberichten
der Filmstars, Prinzen, und der Queen.
Und bildet sich in Medizin.
Gleich spürt der Affe Magenschmerzen.
Er nimmt es sich sofort zu Herzen,
und knotet in sein Taschentuch:
Am nächsten Dienstag Arztbesuch.
Dann blättert er zur Schmunzelecke.
Der Witz mit Bart bleibt auf der Strecke.
Ein Blick vorbei am Schachproblem,
denn Denken ist zu unbequem.
Er stöbert in Kontaktanzeigen.
Das muß er seiner Frau verschweigen,
sonst schwingt sie flink ihr Nudelholz.
Der Grund dafür: verletzter Stolz.
"Was ich mein Affentag nicht sähe,
das zeigt man mir aus nächster Nähe.
Und was um mich herum geschieht?
Das ist doch stets das alte Lied."
Eine Spritztour
Ein Käfer, poppig angemalt,
gebraucht gekauft, erst halb bezahlt,
hat mich zur Spritztour eingeladen.
Ein kleiner Ausflug kann nie schaden.
Wir tuckerten im vierten Gang
an Wiesen und am Fluß entlang.
Durch müde Dörfer: Tempo dreißig,
sonst gackern alle Hühner fleißig.
Die Sonnenstrahlen wurden wach.
Der Käfer hat ein Schiebedach.
Was nun zu öffnen, sehr verlockte.
Jedoch die Kurbeltechnik bockte.
Erst waren wir dadurch verstimmt.
Doch weil man sich die Freude nimmt,
betrugen wir uns wieder heiter
und fuhren ganz gelassen weiter.
Bei Dämmerung und ohne Stress,
da steuerten wir die PS
benzineinsparend, auspuffleise,
zum Ausgangspunkt der kurzen Reise.
Fledermäuse
Im Schloßgewölbe an der Decke
hängt Fledermaus an Fledermaus.
Kein Licht dringt in die dunkle Ecke.
Es sähe auch erbärmlich aus.
Die Nachtausschwärmer sind zufrieden
mit feuchten Wänden, Moderduft.
Kein Thronsaal könnte soviel bieten
wie diese grauenvolle Gruft.
Es dämmert. Nun wird ausgeflogen
mit Echo-Lot und Ultra-Schall.
Sie machen schwungvoll einen Bogen,
und meiden den Zusammenprall.
Bei Nacht wird hin- und hergefledert.
Doch lange vor dem Sonnenschein
sind sie daheim, total gerädert.
Und schlafen Kopf nach unten ein.
Ein Schwerenöter
"Im Morgentau, bei Abendkühle,
ich träume immer nur von dir.
Du bist das höchste der Gefühle,
das allerschönste Kätzchen hier."
So schnurrt ein alter Schmusekater
zu einem Kätzchen, jung und braun.
Es schmilzt dahin, glaubt dem Theater,
und lehnt verzückt am Gartenzaun.
Der Kater ist ein Schnulzensänger,
ein stadtbekannter Weiberheld,
ein miserabler Mäusefänger,
der lieber Schürzen jagt und stellt.
Doch plötzlich schreitet aus dem Hausgang
der starke Kater Fridolin.
Er hat jetzt eine Stunde Ausgang -
Der Schmusefritz muß Leine zieh'n.
Darüber ärgert sich das Kätzchen,
das ist dem Fridolin ganz neu.
Er maunzt gekränkt: "Mein liebes Schätzchen,
ich dachte stets, du bist mir treu."
Ein Picknick auf der Wiese
Was ich mit Herzenslust genieße,
das ist ein Picknick auf der Wiese,
wo sich ein Teil des Hungers stillt,
weil eine Grille für mich grillt.
Den Tausendschönchen, die mir winken,
beginne ich dann zuzutrinken.
Und widme mich dem Schinkenbrot.
Der Mohn schaut zu, und leuchtet rot.
Ein Hochgenuß im Gras zu liegen,
durch nichts und niemand aufzuwiegen.
Ich döse ein im grünen Meer.
Das ist der Nachtisch, das Dessert.
Ein Vater zu seinem Sohn
Ich kann Dir gar nichts übelnehmen.
Selbst wenn Du freche Reden schwingst.
Ich will mich nie darüber grämen,
wenn Du 'ne Fünf nach Hause bringst.
Zwar ziehe ich Dir ein paar Grenzen.
Doch wenn Du ein Gebot verletzt,
befürchte keine Konsequenzen:
Der alte Grenzstein wird versetzt.
Vom Unkraut will ich Dich befreien,
damit es Dich nicht überrankt.
Das wirst Du mir zwar nie verzeihen,
das wird auch nicht von Dir verlangt.
Du darfst Dich ungehemmt entfalten.
Auf viele Schwindel fällst Du rein.
Ich werde immer zu Dir halten,
da kannst Du völlig sicher sein.
Was noch geschieht, das wird sich zeigen.
Mein Ich hat auf Dich abgefärbt.
Doch möchte ich Dir nicht verschweigen,
das meiste hab' ich selbst geerbt.
Wacholderschnaps
Der Hase hoppelt durch die Landschaft.
Ihn kümmert weder Klee noch Raps,
denn er verteilt an die Verwandtschaft
statt Jahrgangssekt Wacholderschnaps.
Die fest gewebte Umhäng-Tasche
ist anfangs unerträglich schwer.
Bald fehlt so manche volle Flasche.
Und schließlich ist der Beutel leer.
Doch er ist voll wie die Haubitzen.
Ein Schnäpschen hier, ein Schnäpschen dort.
Der Hase hat jetzt einen sitzen,
und torkelt Richtung: Heimatort.
Im Zick-zack hopst er durch die Wiese,
denn ihm gehorchen - nur bedingt -
die gliederschweren Hasenfüße.
Und ein Geradeaus mißlingt.
Ein schlauer Fuchs hat ihn gesichtet.
Er schleicht sich aber schnell davon:
"Auf diesen Spaß wird voll verzichtet,
das ist die Tollwut in Person."
Spät ist der Hase heimgekommen.
Darüber schimpft die Hasenfrau.
Doch leise lallt er wie benommen:
"Ich bin nur stern-und-hagelblau."
Fixstern
Ein Stern ist ausgesprochen fix,
und fährt im Großen Wagen,
macht vor der Venus einen Knicks,
und hat ihr was zu sagen:
"Du bist mein Traum, mein Ideal.
In meiner Sternengruppe
sind mir die andern piep-egal
und unbeschreiblich schnuppe.
Sei lieb und reiche mir die Hand.
Dein Herz will ich erreichen.
Ab heute bin ich dein Trabant,
und will nicht von dir weichen."
Die Venus seufzt: "Mein guter Stern,
du darfst nicht weiter reden.
Zwar mag ich alle Sterne gern,
doch liebe ich Planeten."
Der Fixstern kontert sehr gewitzt:
"Ich wäre ebenbürtig!"
Und dennoch ist er abgeblitzt.
Es war ihm merkur-würdig.
Lateinisch bzw. Schweinisch
Zur Schonzeit trifft ein wildes Schwein
den Jäger in der grünen Au.
Der Grünrock kauderwelscht Latein,
doch das versteht ja keine Sau.
Nach jedem Absatz wird genickt,
die Form ist reine Höflichkeit.
Das wilde Schwein macht das geschickt.
Dazu ein Lächeln, lang und breit.
Urplötzlich wird zurückgegrunzt,
gequietscht, geschnorchelt und gequiekt.
Doch auch der Jäger kennt die Kunst,
weshalb er sich vor Lachen biegt.
Sie denken beide ihren Teil.
Und jeder fragt sich, was 'der' will.
Nun grüßen sie ein Waidmannsheil.
Dann Weidmannsdank. Dann ist es still.
Die Lerche bzw. die Lärche
Die Lerche jubelt nette Schlager
drei Meter überm freien Feld.
Doch der Applaus ist äußerst mager,
weil sie das Ständchen öfters hält.
Nach Beifall will sie auch nicht schielen.
Sie ist vom Trillern wie berauscht
und ausgefüllt mit Glücksgefühlen.
Mit niemand hätte sie getauscht.
Nur abends in der Dämmerstunde
denkt sie halbwach und halb im Traum,
sie sei berühmt - in aller Munde -
und außerdem ein edler Baum.
Ein Wunsch versetzt bekanntlich Berge,
wenn man den alten Schriften glaubt.
Aus einer Lerche sprießt die Lärche,
die nadelt und, die sich entlaubt.
Das Gastgeschenk der Schwalben
Die Schwalbe und ihr Schwalbenmann
sind Gäste aus dem Süden.
Mit ihnen fängt der Sommer an,
das In-der-Hitze-brüten.
Sie mieten sich ein Haus aus Lehm.
Ein Spalt wird zugekleistert.
Am Fachwerk hängt es - sehr bequem.
Touristen sind begeistert.
Schon kurz darauf quäkt unentwegt
der Schwalbenkindergarten.
Damit sich das Geschreie legt -,
die Schwalbeneltern starten
und jagen pfeilschnell, sehenswert,
nach Mücken und nach Fliegen.
Dann wird zum Nest zurückgekehrt,
den Kohldampf zu besiegen.
Im Herbst verwaist das Schwalbennest.
Die Kleinen sind längst flügge. -
Und Fliegen haben Hausarrest,
und nirgends eine Mücke.
Hier ist Watt los
Zwischen Ebbe und der Flut,
vor den Toren einer Stadt,
fühlt man sich besonders gut.
Denn man sieht, hier tut sich Watt.
Vögel stelzen durch den Schlick,
grauer Schlamm wird überquert,
und sie ernten mit Geschick.
Frischer Fisch wird 'ganz' verzehrt.
Während man der Stille lauscht
mittendrin im Muschelreich,
hört man wie die Nordsee rauscht,
auf dem Weg zurück zum Deich.
Wellen lecken Richtung Strand,
schaumbekrönt und nimmersatt.
Schon erreichen sie das Land.
Wieder gilt: Es tut sich Watt.
Aus der Mücke einen Elefanten
Bis gestern war ich eine Mücke.
Die Sicherung ist durchgebrannt.
Dann tobten wild die Kraftausdrücke.
So wurde ich ein Elefant.
Das ist mir ausgesprochen peinlich.
Ich möchte so wie früher sein.
Doch das erscheint nun unwahrscheinlich.
Ein Elefant ist groß statt klein.
Im Freiland wäre ich sehr rege.
Im Dachgeschoß gibt es Rabatz.
Als Dickhaut bin ich nur im Wege,
und in der Wohnung fehl am Platz.
Der Hausherr stellt mich schroff zur Rede,
und macht mich glatt zum Mückenstich.
Schnell fliege ich zur Stofftapete:
und rette und verstecke mich.
Pant-astisch
Im Buschwerk hetzt ein schwarzer Panther
die Büffelherde hin und her.
Die Büffel bleiben beieinander.
Dem Panther fällt ein Angriff schwer.
Er fürchtet die vereinten Hufe.
Ein Büffel wäre kein Problem.
Er achtet auf die Unkenrufe:
'In Vielzahl sind sie unbequem.'
Die Kälber blöken in der Mitte.
Ein Kreis beschützt den weichen Kern.
Vergeblich sind des Panthers Schritte.
Er resigniert: "Ach, habt mich gern."
Da grinst belustigt ein Verwandter,
ein Held aus einem Comic-Strip.
Sein Künstlername, Paulchen Panther,
er meint: "Hier ist mein heißer Tip.
Ich locke dir die jungen Kälber
vor einen Fernsehapparat.
Im zweiten Teil erscheinst du selber,
und schreitest ungestört zur Tat."
Mein Ein und Alles
Trotz eines Zwischenfalles
mit herrisch rauhem Ton,
bist du mein Ein und Alles,
du "damische" Person.
Ich wollte mich nicht streiten.
Wir haben uns gekränkt.
Ich mag dich wirklich leiden,
auch wenn "frau" anders denkt.
Nun kreisen die Gedanken
um uns'ren heißen Brei.
Laß uns nicht länger zanken.
Ich bin sofort dabei.
Du bist doch meine Liebe,
mein Alles und mein Ein.
Das Staubkorn im Getriebe
soll nicht das Ende sein.
Gewitter-Stimmung
Wer hat den Streit vom Zaun gebrochen?
Wer hat das erste böse Wort
mit voller Absicht ausgesprochen?
Wer warf den Anstand über Bord?
Wer stach zuerst mit Nadelstichen?
Wer hat die Lippen frech geschürzt,
und jeden Zweiklang durchgestrichen,
und Eingebrocktes scharf gewürzt?
Wer half Gefühlen zu entgleisen?
Wer war der Grund für den Tumult?
Wer konterte mit heißen Eisen?
Und wem gebührt die ganze Schuld?
Es lag zum Teil am schwülen Wetter,
und an verletzter Eitelkeit.
Ein kleiner Satz spielt jetzt den Retter:
"Entschuldigung, es tut mir leid!"
Eine Eselsbrücke
Ein Esel, grau behaart und stur,
darf in die Schule gehen.
Im Sommer macht er Abitur.
Und hofft, es zu bestehen.
Ein Handicap ist die Physik.
Und er verfällt in Panik.
Dagegen glänzt er mit Geschick
im Leistungskurs Botanik.
Die Bücher werden durchgepaukt.
Aus Nürnberg stammt der Trichter.
So wird das Wissen aufgesaugt
im Schein der Neonlichter.
Und ärgert ihn ein Umkehrschluß,
dann stopft er diese Lücke,
und knackt geschickt die harte Nuß -
mit einer Eselsbrücke.
Eine Wahlrede
Sie sind mit mir darüber einig:
Wir sind die bessere Partei.
Ein Widerspruch ist fadenscheinig,
verleumderisch, und Heuchelei.
Wir regeln klug die Staatsgeschäfte,
mit Herz und Hirn, mit Sachverstand.
Und konzentrieren unsre Kräfte
zum Wohl für unser Vaterland.
Wir schaffen neue Arbeitsplätze,
und widmen uns dem Umweltschmutz.
Wir senken auch die Steuersätze,
und schmähen jeden Eigennutz.
Was wir versprechen, wird gehalten.
Es gilt, was ich nur wünschen kann,
die Gegenseite auszuschalten.
Auf Ihre Stimme kommt es an!
"Sommerfreuden"
In der prallen Mittagshitze
döst ein Fuchs vor seinem Bau.
"Endlich Sommer! Das ist Spitze!
Nirgends droht ein Wolkenstau.
Regenschirme zu verschenken.
Gummistiefel fallen flach."
Plötzlich hört er auf zu denken.
Nur im Schlaf ist er noch 'wach'.
Vor sich sieht er eine Quelle
lustig plätschern, hell und klar.
Doch die kühle Wasserstelle
bleibt ein Traum, und wird nicht wahr.
Schließlich hat er ausgedämmert.
Doch er fühlt sich fürchterlich,
wie im Tran und wie belämmert.
Knapp vorbei am Sonnenstich.
Und der Fuchs holt sich zu trinken,
nimmt ein frisch gespültes Glas.
Läßt sich in den Schatten sinken -
und ins ungemähte Gras.
Die Löwengrube
Ich sitze in der Löwengrube.
Und säße lieber beim Kaffee,
zum Beispiel in der guten Stube
auf dem geblümten Kanapee.
Denn vor mir knurrt die Löwenmeute.
Ich fürchte ihren scharfen Biß.
Zwar bin ich keine fette Beute,
doch leider auch kein Hindernis.
Da äußert sich die Löwenmutter:
"Sei unbesorgt, wir beißen nicht!
Wir pfeifen auf ein Menschenfutter,
und darin üben wir Verzicht.
Wenn meine jungen Löwen lachen,
dann brüllen sie im lauten Ton,
um auf sich aufmerksam zu machen.
Entbehrlich ist ein Megaphon."
Ich sitze in der Löwengrube.
Und weiß, wo ich am liebsten wär':
Daheim in meiner guten Stube,
denn die ist sicher löwenleer.
Urlaubsziel
Das Krokodil will Urlaub machen.
Ein Abschied im Familienkreis.
Dann packt es seine sieben Sachen
und seinen Krokodilausweis.
Es krault durch enge Wassergassen,
und kriecht durch den Moskitosumpf,
um nicht den Anschluß zu verpaßen.
Dann steigt es in den Flugzeugrumpf.
Zwei Reihen hinter dem Propeller
ergattert es den Fenstersitz.
Sein erster Flug. Das Herz schlägt schneller.
Dann geht die Post ab wie der Blitz.
Und während sie durch Wolken jagen,
verfliegt der dumpfe Alltagsstress.
Und wenn die Magennerven nagen,
bewirtet ihn die Stewardess.
Der große Teich wird überwunden.
Sein Reiseziel: zum "greifen" nah.
Das Krokodil staunt nur nach unten.
'Willkommen in Amerika!'.
Ein schräger Vogel
Ein schräger Vogel pfeift auf Spießer,
und schlürft im Jazzclub Whisky pur.
Er fühlt sich dabei als Genießer,
und fliegt auf jede krumme Tour.
Den Dummen hat er schnell gefunden.
Dann wird ihm bei Geselligkeit
ein dicker Bären aufgebunden.
Es überzeugt sein Federnkleid.
Ein Startsignal, um anzupumpen.
Der Fadenschein erreicht den Zweck.
Der Dumme läßt sich jetzt nicht lumpen.
Und reicht ihm den Verrechnungsscheck.
Der Vogel hat es plötzlich eilig:
"Ich wünsche eine, Gute Nacht!,
und schwöre hoch und zweimal heilig,
mein Wertbrief kommt, wie abgemacht!"
Der Dumme sitzt daheim und wartet.
Er fühlt sich schamlos eingeseift.
Sein Rachefeldzug wird gestartet,
indem er diesen Typ verpfeift.
Vater Staat und seine Gesellen
Wir haben keinen guten Draht
zum sogenannten Vater Staat.
Dort herrscht ein Clan aus hohen Tieren,
die leider oft den Kopf verlieren.
Gedanklich sind die Herren frei.
Doch Hände-hoch für die Partei,
und "Schafe blöken nur zusammen",
so tönt es aus Parteiprogrammen.
Kein Blick nach rechts, kein Wort gelinkt,
auch nicht begrünt und gelb geblinkt.
Sonst kommt, das wäre eine Pleite,
der Beifall von der falschen Seite.
Doch jagt ein Rufmord den Skandal,
dann wissen wir, die nächste Wahl
läßt nicht mehr lange auf sich warten.
Der beste Trumpf: gezinkte Karten.
Es redeschwingt und wahlversprecht
so satzgekonnt, so mundgerecht!
Und daher gehen wir zum Wählen.
Wir zählen nichts mehr - nach dem Zählen.
Ein Fuchs hat Appetit,
und macht sich auf die Socken.
Das ist ein erster Schritt,
die Suppe einzubrocken.
Er streunt und dabei hält
er beide Augen offen.
Er hat in Wald und Feld
nichts Freßbares getroffen.
Der Rabe auf dem Baum
hält keine Käsescheiben.
Ein alter Märchentraum -,
und wird auch einer bleiben.
Der Fuchs wirkt abgekämpft,
verdrossen und verdrießlich.
Die Stimmung ist gedämpft.
Dann überlegt er schließlich:
"Der Bauer hat zu tun,
er melkt die Weidekühe.
Ich rupfe mir ein Huhn
für eine Hühnerbrühe."
Erntedank
Die Feldmaus sammelt für die Kinder,
-im Grund für einen guten Zweck-
den Weizen für den nächsten Winter.
Und tut was für den eig'nen Speck.
Diät ist bei ihr aus der Mode.
Sie liebt sich mollig, weich und rund.
Tagein, Tagaus schiebt ihre Pfote
sich Leckerbissen in den Mund.
Der Vorrat für die lieben Kleinen
ist schließlich unter Dach und Fach.
Kein Mäuschen muß vor Hunger weinen.
Der Streit um Körner fällt jetzt flach.
Das Mauseloch ist eine Scheune.
Die Feldmaus lächelt und sie denkt:
'Das reicht für mich und alle neune.
Die Erde hat uns reich beschenkt!'
Der Habicht
Es kreist auf federleichten Schwingen
der Habicht über Feld und Flur.
Sein Rundflug soll ihm Beute bringen.
Und daran glaubt er, fest und stur.
Tatsächlich hoppelt ein Karnickel
gefräßig durch das Wiesengrün.
Er stürzt hinab, packt es am Wickel.
Der Hoppsassa erwidert kühn:
"Was sollen die Vertraulichkeiten?
Wo bleibt ihr Anstand, ihr Respekt?
Das kann ich auf den Tod nicht leiden.
Sie haben mich total erschreckt.
Nun nehmen Sie die spitze Kralle
sofort aus meinem weichen Fell.
Und nicht nur eine, sondern alle.
Und wenn ich bitten darf, recht schnell."
Der Habicht hadert: "Ach wie schade,
ich beuge mich dem Heldenmut.
Beim nächsten Mal gibt's keine Gnade.
Drum sei von nun an auf der Hut."
Die Meerjungfrau steigt aus den Wellen
und fällt mir stürmisch um den Hals.
Sie muß sich auf die Zehen stellen.
Ihr Kuß schmeckt 'cool' und auch nach Salz.
Dann schlendern wir, wo Schafe weiden,
und halten Ausschau auf dem Deich.
Und tauschen kleine Zärtlichkeiten.
Dann muß sie heim ins Wasserreich.
Und in die See führt eine Treppe.
Ein letzter Kuß. "Bis bald! Mach's gut!
In einer Stunde ist hier Ebbe.
Ich komme mit der nächsten Flut."
Nun kann ich sie nicht mehr erblicken.
Doch eines weiß ich ganz genau.
Zwölf Stunden muß ich überbrücken,
dann steht vor mir die Meerjungfrau.