In einem deutschen Zug
von Fabienne aus der Kategorie Gedichte zum Nachdenken
und wurde am 03.08.2011 um 12:38:00 eingetragen.
Er wird wohl zählen 90 Jahr,
der Mensch mir gegenüber,
welch Leben wohl das seine war,
scheu blicke ich hinüber.
Ein Blick durch trübes, helles Blau,
ertappt auf halbem Wege,
sodass ich mich nicht weiter trau,
mich lieber schlafen lege.
Im Traum erscheint mir schwach ein Greis
so ähnlich dem soeben
die Haare wie die Brauen weiß
er will mir etwas geben.
Ein Orden, wohl aus einem Kriege,
französisch steht geschrieben:
" Im Krieg, da gibt es keine Siege,
nun sieh was dir geblieben.
Du hast dein eigen Fleisch und Blut,
dein eig'nes Herz erschossen
erloschen ist der Seele Glut
schon zu viel Blut vergossen.
Nun sieh, mein Freund, sieh einmal hin,
sieh was du hältst in deiner Hand.
Erkennst du jetzt, dass ich es bin,
getötet für dein Vaterland"
Ich schrecke auf aus meinem Traume,
den Orden halt ich in der Hand,
befind mich stets im selben Raume
erst recht auch noch im selben Land.
Der Mann jedoch, mir gegenüber,
verblasst, wird immer mehr zu Staub
nun blick ich nicht, ich starr hinüber
wie kommt's, dass ich den Blick erlaub?
Bin wie gebannt, kann noch nicht fassen,
was mir soeben grad passiert.
Kann Blicke auf den Mann nicht lassen,
der mehr und mehr Gestalt verliert.
Der Orden scheint mir nun entrissen,
liegt dort, wo einst der Greis gewesen
ein Foto, doch es ist zerrissen,
die Zeilen scheinen fortgelesen.
Nur das Gesicht des Greis erscheint,
er sagt:" Es gibt nichts mehr zu tun,
ich habe lang genug geweint
und folge meinem Bruder nun."
Kommentare
Es gibt 2 Kommentare zu diesem Gedicht
Fabienne schrieb am 25.08.2011 um 23:18 Uhr folgenden Kommentar:
oh, danke :-)
das ist mein erster Kommentar überhaupt und dann noch so ein positiver...Jetzt fühl' ich mich geehrt:)
Lisa schrieb am 23.08.2011 um 00:19 Uhr folgenden Kommentar:
Wow. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Sehr tiefsinnig und wunderschön. :)