Engelsflügel

von LightningThunder aus der Kategorie Liebesgedichte
und wurde am 07.10.2010 um 17:47:00 eingetragen.

Gedankenverloren, allein
so streift der Einsame
über die kahlen weiten des Landes
Immer weiter über nochmal tausend Steine
will er das Meer erreichen.
Die Gewissheit,
dass die Kraft ihn bald verlassen wird
nagt an seinem Körper

Der letzte Berg
eine Festung aus zerklüftetem Stein
und abschüssigem Geröll
lässt den Einsamen
um luft ringend zur Erde sinken
Die Gewissheit zu fallen
aufzuschlagen und vor dem Ziel zu sterben
nagt an seinem Geist

Seine prächtigen schwarzen Schwingen
sind ein Schatten der Vergangenheit
Nichts mehr zu verlieren
ist er nur ein Abbild seiner selbst
Eine Stimme die plötzlich seinen Geist umweht
lässt ihn aufhören
in die Höhe fahren
Wild um sich blickend
die Augen auf die Spitze des Berges gerichtet
Dort, das spürt er in seinen Tiefen
befindet sich wonach er verlangt

Zaghaften Schrittes
bewegt er sich auf die ersten Hindernisse zu
Alle Angst verflogen breitet sich nach den ersten Schritten
so schlagartig ein Gefühl in ihm aus
dass alle Mutlosigkeit in ihm schmilzt
Neue Ziele vor seinen Augen, die Stimme
in seinen Ohren
Sie erfüllt sein Herz mit tiefer Sehnsucht
tiefer noch als die das Meer zu erreichen

Vorfreude drängt ihn
sicheren Fußes auf den Berg hinauf
Flink, leicht mit den Flügeln flatternd
erklimmt er die letzte Hürde
stemmt sich mit all seiner Kraft
über den letzten Vorsprung

Einen Luftzug gebeugt auf Knien schnappend
richtet er sich dann langsam
zu seiner prachtvollen Gestalt auf
Ein großer schwarzer Engel
die Flügel gespreizt, bereit alles in sich aufzunehmen
was ihn dort erwarten möge

Kurz noch lässt er seine eisgrauen Augen geschlossen
ein Schauer fährt ihm über die Glieder
zitternd bis in die letzte prächtige Feder
witternd bis sein Geist
an der Klippe ein Wesen spürt
dann öffnet er langsam die Augen

Ein zweiter Engel steht dort
hell und klein in seiner Gestalt
Einer seiner Flügel
die doch so prächtig im Nachtwind flattern
ist verkümmert.

Allein ein Blick reicht beiden
aufeinander zuzugehen
In der Mitte sich treffend
plötzlich die Hände ineinander
dann die Arme
umeinander verschlingend
leicht mit den Flügeln schlagend
heben sie in Einigkeit
einige Meter vom Boden ab

Die Blicke umeinander kreisend
Gedanken tauschend
merken beide wie lange sie sich vermissten
obwohl sie einander nie sahen

Als sie langsam zu Boden sinken
ist der Plan besiegelt
Mit neuen Kräften, stärker als davor
treten beide an den Rand der Klippe
nicht weit entfernt
geht in glitzerndem Sternenregen
die Sonne über dem Meer auf
Einen kurzen Augenblick
verschenken beide an diesen

Schulter an Schulter
stehen sie dort
die Morgenröte überflutet ihre Gesichter
Tastend finden sich ihre Hände
Sich anblickend
in Einigkeit ein Nicken

Keine Worte
nur ein Gleichschritt
ins nichts unter ihnen
und der freie Fall.
Ineinander versunken breiten beide ihre Flügel aus
nicht weit entfernt von tödlich, zerklüftetem Fels
und reißen sich gemeinsam wieder in die Höhe
in unbekannte Weiten

Bis hin zum Meer lassen sie sich
vom Wind treiben
Und danach noch viel weiter
bis in die Unendlichkeit
ihrer Träume und Wünsche
Auf Ewig
tief miteinander verbunden.

2010/ LightningThunder

(Für meinen geliebten Engel, dem ich diese Worte verdanke, der immer an mich glaubt, an alles was ich kann.)


Kommentare

Es gibt einen Kommentar zu diesem Gedicht

LUCA79 schrieb am 08.10.2010 um 22:20 Uhr folgenden Kommentar:
Gibt es ne schönere Liebeserklärung? NEIN gibt es nicht....wo kommt diese Kreativität nur her? Verlier diese Gabe nur nie..sie macht dich so besonders...

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