Ein Mitarbeiter Fördergespräch
von Märchenerzähler aus der Kategorie Gesellschaftskritisches
und wurde am 24.11.2009 um 09:35:00 eingetragen.
Einmal im Jahr findet es statt,
wozu eigentlich niemand richtig Lust hat.
Es ist ein Gespräch von Mann zu Mann.
Was es uns wohl diesmal bringen kann?
Die Rollen sind schnell verteilt,
einer der redet und einer der sich langweilt,
weil es immer das Gleiche ist,
was aus seinem Munde spricht.
Eines sei am Anfang schon klar gestellt,
hier handelt es sich um den Größten in dieser Welt,
ihm kann niemand das Wasser reichen,
denn er geht auch über Leichen.
Die wirtschaftliche Lage ist schlecht,
das geb ich zu, da hat er recht.
Aber sonst Übereinstimmung zu finden,
dazu kann ich mich nicht überwinden.
Die Sätze von ihm sind oft so lang,
dass man meist gar nicht verstehen kann,
was er einem eigentlich erklären will,
also bleibt man lieber still.
Viel gesagtes ergibt für mich keinen Sinn,
oder ob ich doch am Ende der Bekloppte bin.
Als den er uns alle hinstellt ,
weil keiner Ihn versteht?
Ständig zeigt er mit seiner Arroganz
was er hält von Toleranz.
Hier bin ich der Chef, es zählt nur eine Meinung
und die ist einzuhalten, das ist eine Weisung!
Melde auch ich mich einmal zu Wort,
so fällt es auf, sofort.
Das Wort wird mir im Mund verdreht,
wie soll ich mich ausdrücken, dass er mich versteht?
Ich gebe auf, es macht keinen Sinn,
ich gebe mich seinem Gelaber hin.
Unterdessen ist es soweit,
große Ängste machen sich breit.
Er versucht an mein Gewissen zu appellieren,
ich stehe kurz davor meinen Job zu verlieren.
Dachte ich jedenfalls rauszuhören,
will er jetzt mein Leben zerstören?
Müssen meine anderen Kollegen das auch alljährlich erleiden,
oder will er sich nur an meinen Anblick weiden?
Zum Abschluss hat er noch kurz gelacht,
ich glaube, ich habe ihm heute eine Freude gebracht.
Nach eineinhalb Stunden unruhig auf meinem Gesäß
findet, Gott sei Dank, ein Ende des Mitarbeiterfördergesprächs.
Von Förderung war keine Spur,
einzig allein Vorhaltung nur.
Der Kopf ist leer, die Beine schwer,
jetzt weiterarbeiten, geht gar nicht mehr.
Man fühlt sich so schrecklich ausgebrannt,
am liebsten wär man weggerannt.
Kommentare
Es gibt 3 Kommentare zu diesem Gedicht
Jaqueline schrieb am 26.11.2009 um 20:04 Uhr folgenden Kommentar:
Super Gedicht. Voll ins schwarze getroffen. Bis bald.
schneewittchen schrieb am 25.11.2009 um 21:23 Uhr folgenden Kommentar:
Echt genial,mal wieder! Na siehste,hat doch was gebracht,das Gespräch,auch wenn es nur ein echt tolles Gedicht war!?! Man hab ich ein Pech,das meins ausgefallen ist:-).
Doreen schrieb am 25.11.2009 um 18:36 Uhr folgenden Kommentar:
Klasse Super Spitze total genial, trifft 100% zu.
Du bist super.....