Dreigroschenoper
von Hukwa aus der Kategorie Gesellschaftskritisches
und wurde am 20.01.2012 um 09:09:00 eingetragen.
Hier wohnen sie also
Die Deklassierten und Ausgegrenzten
Die Sozialrentner die sich von Katzenfutter ernähren
Sozialhilfeempfänger Bettler Obdachlose Langzeitarbeitslose
Hoffnungslose
Schulabgänger die gleich Rentenanträger sind
Hier wohnen sie also
Eingekert in Kastenkasernen wiederholt sich hier
Eine tägliche Uraufführung von Neid und Verelendung
Im Sozialstaat
Die Adresse im Ausweis ist der
Gesellschaftliche Totenschein
Hier wohnen heißt
Mensch sein ohne Rang und Namen
Jetzt aber soll endlich saniert werden
Nach Jahrzehnten katastrophaler Zustände
Doch der Stadtrat ist noch uneins
Derweil frieren im Winter die Toiletten ein und der
Hausflur wird zur Eisbahn
Die Wahrer und Sachverwalter der sozialen Ordnung
Üben sich in Ohnmacht und Resignation
Die Stadträte spielen die guten Onkels
Und drohen mit dem Zeigefinger
Abends trifft man sich im neuen Theater
Das ein Millionenloch ins Stadtsäckel gerissen hat
Man ist schließlich Kulturstadt
Und muss auch etwas für die andere Randgruppe tun
Die mit dem 4000 Euro Bruttogehalt
Trifft sich hier mehrmals in der Woche
Zur Uraufführung der ausverkauften Eitelkeiten
Während ein paar hundert Meter weiter
Die endlos Oper des Dreigroschentheaters läuft
Als Gratisvorstellung natürlich
Man ist schließlich Kulturstadt.
Kommentare
Es gibt 2 Kommentare zu diesem Gedicht
hukwa schrieb am 22.01.2012 um 14:05 Uhr folgenden Kommentar:
Gedichte können Gegengift gegen gesellschaftliche Versteinerung und Verholzung sein.
Joneda schrieb am 21.01.2012 um 06:17 Uhr folgenden Kommentar:
Hallo Hukwa,
flog ich mit Dir durch mehrere Länder,*
der Mantel des Schweigens*
durch Deine Zeilen*
ein wenig gelüftet,*
wie schön...