Der Blick nach innen
von Grainne aus der Kategorie Gedichte über Menschen
Dort in dem Park sitzt sie, die alte Frau,
Die trüben Augen schau´n erbost, verhärmt,
Die Haut hängt schlaff, so schotterig und rau,
Harrt sie der Sonne, die die Kälte wärmt?
Du weißt, die Energie wich ihrem Herz,
So bös´ und bitter wie sie heute ist,
Und starrt sie her, kriecht zu dir herber Schmerz,
Mit ihrer Stimme bricht auch bald die Frist.
Die Lippen –Striche- tief versteckt in Schrunden,
Ist sie nun der Gesellschaft schwere Last,
Gewissen beißt in deinen Bauch die Wunden;
Kein Platz für sie in dieser Welt voll Hast!
Verdammte Pflicht dies Wesen hier zu grüßen,
Wie es dich schauert bei dem bloßen Blick…
Die Lippen bleiben starr – das soll sie büßen;
Das Hexenweib, es grüßt nicht mal zurück!
Die widerliche Pflicht scheint dir erfüllt?
Nur weil Gesellschaft dies von dir so will?
So bleibt die Wahrheit stets vor dir verhüllt,
Und bleibt dein Herz für immer kalt und still.
Das „freche“ Schweigen heute dieser Alten,
Es spiegelt Stummheit, deines Lächelns Tod.
Ein Mensch geht zu ihr, ihre Hand zu halten,
Ein strahlend´ Lächeln wie das Morgenrot.
Ein helles Lachen wie ein kleines Glöckchen,
Dies ist die Sonne, die die Frau erhellt…
Und zitternd fahr´n die Hände durch die Löckchen,
Für den Moment die Jugend in sie schnellt.
Kannst du jetzt deinen blinden Augen trauen?
Hat dort gerad´ ein Mann nach ihr geschaut?
Fährt fort, verzückt in ihr Gesicht zu schauen,
Verzaubert von der Schönheit (leicht ergraut).
Er geht zu ihr, ihr Mann, gemeinsam lachen,
Jahrzehnte war sie ihm unendlich nah;
Ihr Blick kann jedes Feuer neu entfachen:
Verführerische Schönheit, sanft und klar.
Der Blick zum Spiegel, den du tust daheim,
Erfüllt dich nun sogleich mit Gram und Qual:
Aus Glas, so kalt, bleibt „Schönheit“ dir geheim.
Ob Eisgestalt, ob Licht: Dir bleibt die Wahl!