Der Auftragsmörder
von Alexander Fufaev aus der Kategorie Gedichte über Menschen
und wurde am 05.02.2012 um 19:20:00 eingetragen.
Nach langem Ruhen, eines Tages,
Bekommt der Mörder seines Ranges
Einen Auftrag - vom Stadthalter persönlich.
Ungewiss ist der Frevel und ungewöhnlich.
"Hör gut zu, du unbedeutendes Gesindel und
Hintergeh' mich nicht, ich dulde keinen Schwindel!
Mein Vermögen hat die Hure sich unter die Nagel gerissen.
Finde und töte sie; kein Geschöpf wird sie je vermissen!"
"Jawohl, mein Staatsmann, unverzüglich wird sie erledigt;
Ohne Skrupel und mit Freude wird sie geschädigt.
So weit, so gut. Eine wichtige Frage bleibt jedoch offen:
Darf man von einem gnädigen Herren eine Großzügigkeit hoffen?"
"Gewiss! Eine Folter wird deinem unreinen Leibe gewährt,
Bis deine Gescheitheit erwacht und Genügsamkeit erfährt.
Verschwinde jetzt! Vollende deine Aufgabe.
Aber tue sie mit Bedacht und voller Hingabe!"
Und nun streift der enttäuschte Mann hin und her,
Überquert das Land und kommt seinem Ziel immer näher und näher.
Ein abgelegenes Gehöft ist seine feste Vermutung;
Wachen behüten es. Für den Mörder eine Zumutung.
"Was verbirgt man hier, dass ihr's so auffallend bewacht?
Lagern hier etwa große Schätze? So mein Verdacht."
"Diebesgut liegt hier sicher verborgen, kühner Mann!
Aufgeklärten wird Erkenntnis verdorben, und nun bist du dran!"
Vor lauter Angst flieht der Mann in die Ferne,
Läuft hinein, in eine nächstgelegene Taverne.
Stille entfaltet sich, sie ist leer und verlassen.
Nein, eine Frau geht leis' auf ihne zu und spricht gelassen.
"Beeil' dich. Versteck dich hinten im Zimmer.
Schau' mich doch nicht an, die Lage wird schlimmer!
Die Wachen ziehen los und sind auf der Suche,
Wende deinen Blick ab. Bitte! Versuche!"
"Wie soll ich mich deinem reizvollen Antlitz entziehen?
Deine Schönheit hat mir die Fittiche eines Cherubs verliehen.
Nimm meine Hand und lass uns gemeinsam abheben;
Durch die grauen Wolken fliegen und im siebten Himmel schweben!"
Doch sie ist sprachlos und fällt langsam in seine Hände
Solang' er staunt, schauend auf die blutbefleckten Wände.
Der Statthalter steht mit einer Klinge hinter dem sterbenden Weib und sagt:
"Der Auftrag ist erledigt, lass ihn liegen, den elenden Leib!"