Der Alte Löwe brüllt nicht mehr
von groschbmich aus der Kategorie Gedichte zum Nachdenken
und wurde am 02.10.2010 um 17:57:00 eingetragen.
Der Alte Löwe brüllt nicht mehr
*
Einst war er jung und voller Mut
und Keiner konnte ihn besiegen.
Feinde in Furcht vor seiner Wut;
- Jed’s Löwenweibchen wollt’ er kriegen.
*
Weithin bekannt war seine Kraft
und all’zeit er sie konnt’ beweisen.
Respekt er damit sich verschafft’;
- manches Löwenkind wollt’ verwaisen.
*
Sein’ Stimme war wie Donnerhall,
wann immer er ließ sie ertönen.
Gefürchtet bei den Ander’n all’;
- denn nichts konnt’ ihn dann noch versöhnen.
*
Sein Rudel lebt’ in Sicherheit
und nichts es zu befürchten hatte.
Denn er war allezeit bereit;
- Keiner, dem Zutritt er gestatte...
*
Zu Fressen stets er hatt’ genug;
- seine Weibchen gut versorgten ihn.
Denn fleißig waren sie und klug;
- mit Wonne auch gaben sie sich hin.
*
So wuchs das Rudel und gedieh;
- weithin gab’s keine Konkurrenten.
Papa den Kindern viel verzieh,
wenn Spiele wollten niemals enden...
*
Auch alle Menschen hatten Ängst’;
stets, wenn seine Stimme ertönte.
- Denn bekannt war er ihnen längst
als der, Welcher dem Blutrausch frönte...
*
Getötet hatt’ er Menschen schon,
die unvorsichtig sind gewesen.
Für ihn es war gerechter Lohn,
nachdem die Fährt’ er hatt’ gelesen.
*
Gehaßt, gefürchtet, respektiert;
- dies war sein Ruf in weiter Runde.
Hatt’ Mensch und Tier doch drangsaliert,
und davon wollte geh’n die Kunde.
*
Manch Einer hatte schon versucht,
den Löwenkönig gar zu töten.
Doch scheinbar war dies’ Tier verflucht;
der Jäger selbst wollt’ sein in Nöten...
*
ER war der König – ungekrönt –
und königlich auch sein Gebaren.
Das Leben hatte ihn verwöhnt,
- ungeachtet aller Gefahren.
*
Ein einz’ger Feind geblieben nur;
-ihn konnt’ man nicht mit Zähnen fassen.
- Die Zeit – des Lebens Regelschnur –
würd’ sie ihn wohl am Leben lassen... ?
*
Der Zahn der Zeit begann sein Werk;
kaum merklich fing er an, zu nagen.
- Der Riese wurde nicht zum Zwerg,
doch durft’ er nicht mehr soviel wagen.
*
- Kämpfen ging er aus dem Wege,
wenn eine starke Stimm’ erschallte.
Mangeln tat es ihm an Pflege;
- die eig’ne Stimm’ kraftlos verhallte...
*
Schon bald er ganz alleine war;
- er hatte nie gelernt, zu jagen.
Des einst’gen Stolzes er nun bar;
- konnt’ zahme Rinder nun wohl schlagen.
*
Eines Tages auch dies vorbei;
- verjagt ward er von allen Orten.
Nur in der Steppe war er frei;
- doch satt er konnt’ nicht werden dorten...
*
....“Der Alte Löwe brüllt nicht mehr“;
so machte es schon bald die Runde.
So Manchem wurd’ das Herz gar schwer,
da er vernommen diese Kunde....
*
Stolz man doch auf ihn gewesen,
trotz Furcht und Schwierigkeiten.
Nie zuvor ein solches Wesen;
- nicht Einer konnte dies bestreiten!
*
Einzig er war – sein Mut – die Kraft!
Niemals wird kommen einer wie Er;
- so voller Leben – beispielhaft !
- - Der Alte Löwe – er brüllt nicht mehr ...
*
Kommentare
Es gibt 4 Kommentare zu diesem Gedicht
groschbmich schrieb am 05.10.2010 um 16:09 Uhr folgenden Kommentar:
Vielen Dank, liebe mittendrin, für den netten Kommentar. Du hast recht, der Bezug zum Menschen sollte auch offenkundig werden - freut mich, wenn das gelungen ist.
Liebe Grüße,
Bernd
mittendrin schrieb am 05.10.2010 um 06:43 Uhr folgenden Kommentar:
als gedicht in dieser länge
ist ja unglaublich
erinnert mich an schiller und goethe
aber die sind ja tod
lieber bernd unter texte oder geschichten...wäre es super
habe sofort an eine ganz enge verbindung zum menschen gedacht
lgr. mittendrin
groschbmich schrieb am 03.10.2010 um 17:32 Uhr folgenden Kommentar:
Meine Güte, liebe Twitty - jetzt erschreckst Du mich aber. Das ist für mich ein ganz normaler Vers. Ich hatte vor, auch einige Verserzählungen einzustellen,
doch die sind bedeutend länger als der Alte Löwe. Na, mal sehen.
Auf alle Fälle vielen Dank für Deinen Kommentar.
Liebe Grüße,
Bernd
Twity-Autor schrieb am 03.10.2010 um 17:25 Uhr folgenden Kommentar:
Hallöchen,
da war aber jemand fleißig - grins. Das ist ja schon eher eine Ballade. Sie ist traurig-schön geschrieben. Auch stimmt deine Zeilen sehr nachdenklich, vorallem wenn man es nicht wirklich auf einen Löwen bezieht, sondern auf einen Menschen. Es ist beim Lesen nicht einfach, bei so viel Text den roten Faden zu behalten. Ich habe mich selber dabei erwischt, wie ich versuchte einzelne Verse zu überspringen.
LG Twity-Autor