Bauer sucht Frau
von Jörg Röschmann aus der Kategorie Gedichte über Menschen
und wurde am 08.01.2012 um 14:46:00 eingetragen.
Angeregt aus dem T Vau,
ein Bauer sucht ne Bauersfrau.
Magd Anna ward das Herz gebrochen,
die Ehe war doch ihr versprochen.
"Ach schau Dich an, Du dralles Weib,
Du warst nunmal nur Zeitvertreib.
Dich schön zu saufen wird mir zu teuer,
kann´s nicht mal abziehen von der Steuer.
Nimm einfach Vorlieb mit dem Knecht,
der ist doch sowieso bezecht".
Ein Fernsehteam kam in den Ort
und blieb ne ganze Weile dort.
Zwei Mädchen wurden rasch gefunden,
zur Braut bereit, ganz unumwunden.
Der Bauer, der war hin und hergerissen,
die Feldarbeit, die hat er hingeschmissen.
Er konnt sich einfach nicht entscheiden,
wer seine Braut wird von den beiden.
Der Hof, der wurde zum Studio,
ein ruhig Plätzchen nirgendwo.
Beim Filmen mal, in reizender Pose,
wölbte sich beim Bauern seine Hose.
In seinem Arm war die Veronika,
drum entschied er sich und ebenda.
Die Andre schmollte nur ein bisschen,
sie erhielt ne Gage und ein Küsschen.
Die Dreharbeiten sind jetzt beendet,
der Film, der wird schon bald gesendet.
Der Produzent muß noch entscheiden,
die gewölbte Hose rauszuschneiden.
Ob jugendfrei oder mit der Zote,
wird wohl ne Frage sein der Quote.
Es geht nicht schnurstracks zum Altar,
erst ist ein Termin noch beim Notar.
Der Bauer soll den Hof ihr überschreiben,
sie will bestimmt auch bei ihm bleiben.
Er ist vor Lust und Liebe blind,
schlägt jede Warnung in den Wind.
Im September ist es dann soweit,
das Hochzeitsfest zur Erntezeit.
Es folgt noch eine Reise nach,
die Äcker liegen ja alle brach.
Das Dolce Vita währt bis zum März
und endet jäh durch den Kommerz.
Für Veronika hat nun der Lenz begonnen;
der Bauer sieht sich in die Pflicht genommen.
Saatgut, Dünger, Futter fürs Vieh,
alles ist so teuer, wie noch nie.
Das süße Leben musste ein Ende haben,
gesagt haben wollt er´s schon seit Tagen.
Nun kam endlich die Gelegenheit,
sie möchte ein neues Frühlingskleid.
Das Maß war damit für ihn voll,
Veronika, die fands nicht so toll.
Auch von der Magd sollte sie sich trennen
und morgens nicht mehr länger pennen.
Der Bauer wollte die Magd entlassen,
Veronika, die konnt´s nicht fassen.
Arbeiten im Haushalt, Stall und Hof,
das wollt sie nicht, das fand sie doof.
Der Hof war Ihr doch überschrieben,
drum ist die Anna auch geblieben.
Der Hof ist bald schon überschuldet,
Aufschub wird nicht mehr geduldet.
Der Bauer leistet den Offenbarungseid
und wartet auf den Harz IV Bescheid.
Die Hofüberschreibung an Veronika,
geht nun zur Bank und bleibt dann da.
Die Bank wird einen Pächter suchen
und später mal Gewinn verbuchen.
Der Knecht, der nimmt die Magd zur Frau
lässt´s saufen sein, macht nicht mehr blau.
Den Bauernhof übernehmen sie zur Pacht,
ein Schritt zum Wohlstand ist gemacht.
Veronika llässt sich vom Bauern scheiden,
sie will nun doch nicht bei ihm bleiben.
Der Bauer fands heraus dann, gerade gestern,
Veronika und Anna, sie sind Schwestern.