Allein gehst du das Herz voll Liebe
von Peddagog aus der Kategorie Seelenschmerz
und wurde am 29.06.2009 um 20:58:00 eingetragen.
Allein gehst du das Herz voll Liebe,
Einsam durch die große Stadt.
Sind es nur unterdrückte Triebe,
Die dich treiben wie ein fallendes Blatt?
Du kennst die Regeln in diesem Leben,
Will man erhalten, so muss man geben,
Und ungleich Ödipus von Theben,
Hast du doch so viel mehr zu geben.
Dein Herz, das geht durch Menschenmassen,
Aber keiner schaut es an.
Wie Steppenwolf irrst du durch Gassen,
Doch niemand zieht dich in den Bann.
Du bist doch eine leichte Beute,
Du bist zur Liebe doch bereit,
Die Alltagsproblembewältigungsleute
Seh\'n sie nicht deine Einsamkeit?
Dann kommt der Neid und dann die Wut,
Und dann denkst du nur - warum?
Warum geht es den anderen gut?
Bist du zu feige, erhaben, zu dumm?
Dann rufst du sie an, die du geliebt,
Nimmst eine Abfuhr sogar in Kauf,
Und noch ehe es das Freizeichen gibt,
Legst du das Plastiksprachrohr wieder auf.
Du öffnest noch eine Flasche Bier,
Schreibst Gefühle auf ein Blatt Papier,
Und manchmal schmiert der Stift durch Tropfen,
Denn niemand wird an die Türe klopfen.
Und wieder fragst du dich - warum?
Warum werde ich gemieden,
Wenn andere Zukunftspläne schmieden,
Doch die Wände bleiben stumm.
Wer öffnet dieses versiegelte Herz?
Gott, gib mir Hoffnung und Geduld.
Wer kommt und nimmt mir meinen Schmerz?
Schicksal oder eigene Schuld?
Schicksal oder eigene Schuld?
(C) Peddagog, Juni 1984
Kommentare
Es gibt 3 Kommentare zu diesem Gedicht
fleur schrieb am 30.06.2009 um 08:48 Uhr folgenden Kommentar:
Danke, mir geht es jetzt auch wieder besser. Zum Zufall wollte ich noch sagen, man sollte nicht im stillen Kämmerlein auf ihn warten, offen sein auf andere Menschen und auf sie zu gehen, sich nicht gemeinsam mit seinem Schmerz einigeln, das hängt schon von einem selbst ab, aber es ist ja nun schon lange Vergangenheit. Alles Gute - fleur.
Peddagog schrieb am 30.06.2009 um 08:08 Uhr folgenden Kommentar:
Hallo fleur,
Danke für deinen Kommentar. So ein Zufall: bei mir war es genau wie bei dir. Ich hatte meine Heimatstadt verlassen und kam in eine Großstadt ins Ruhrgebiet ohne jemanden zu kennen. Und dann ging auch noch eine Beziehung in die Brüche. Da war das Dichten schon eine Katharsis. Übrigens: es geht mir heute besser. Der beschriebene Zustand dauerte ca. 4 Monate und dann lernt man neue Menschen kennen. Ich hoffe, dir geht es auch gut.
Grüße vom Peddagog
fleur schrieb am 29.06.2009 um 23:26 Uhr folgenden Kommentar:
Oh, oh, Peddagog, das hört sich ja sehr frustriert und hilflos an, und du hast es vor 25 Jahren geschrieben. Kann nur hoffen, dass es dir heute nicht immer noch (oder schon wieder?) so zumute ist? Solche Phase hatte ich auch mal in meiner Studentenzeit in einer bekannten Großstadt "mit Herz und Schnauze", bevor ich dort Kontakte knüpfen konnte. Schicksal oder eigene Schuld - nach meiner Auffassung ist beides nicht zutreffend. An Schicksal im Sinne von Vorsehung, Vorbestimmung glaube ich nicht. Und Schuld hat man nur, wenn man Fehler gemacht hat. Aber man sucht sich seine Familie nicht aus, nicht, wie man erzogen wird, nicht sein genetisches Potential. Und dann kommen die Zufälle, wie man wann wo wen kennen lernt. Sprachlich gefällt mir dein Gedicht auch sehr. Gruß - fleur.